Die Stellungnahme der Familie Koch-Staufenbiel

Im Änderungsentwurf dargestellte Flächennutzung bzw. Teil der Begründung/ Umweltbericht, auf die sich der Vorschlag bezieht:  Gemischte Baufläche W2

Meine Stellungnahmen/ Vorschläge:
Die Kleingartenanlage, sowie die Sportanlagen zwischen Lilienthal- Züllichauer-, Golßener Straße und Columbiadamm ist aus dem FNP Änderungsverfahren herauszunehmen. Ich erhebe gleichermaßen Einspruch gegen die Planungen des sog. Colunbiaquartiers.


Erläuterungen:
Sehr treffend ist im von der Senatsverwaltung vorgelegten „Landschaftsprogramm / Artenschutzprogramm Änderungsverfahren 2009 Träger öffentlicher Belange und öffentliche Auslegung“ die Grünflächensituation in den nördlich und östlich gelegenen Wohngebieten beschrieben: Wir dürfen zitieren: „Die Analyse der Freiraumversorgung der umgebenden Stadtquartiere ergab einen dringenden Verbesserungsbedarf der Versorgung mit Erholungsflächen für einen Großteil der Wohngebiete, die nördlich und östlich an das Flugfeld angrenzen (Dringlichkeitsstufe 1). Sie sind mit öffentlichen Freiflächen stark unterversorgt. „(Seite 14) „Die Öffnung des Tempelhofer Feldes für eine Erholungsnutzung wird positive Auswirkungen auf die angrenzenden, mit Grün- und Freiflächen unterversorgten Wohnquartiere haben. „(Seite 15) Durch die vorgelegte Planung wird aber der Zugang zu den durch die Flughafenschließung erst möglich gewordenen Naherholungsflächen für die Bewohner der nördlich gelegenen Wohngebiete erschwert, da das geplante Columbiaquartier den Zugang zum Tempelhofer Feld von Norden her fast verriegelt. Hiermit wird auch die heute existierende zusammenhängende Grünfläche (von S-Bahntrasse bis Hasenheide-Bergmann-Kiez) unterbrochen, somit auch die in den Planungstexten immer wieder erwähnten unverzichtbaren Kaltluftschneisen. Noch schlimmer: Entgegen früherer Planungen soll auch das sog. Lilienthalquartier (auf dem sich heute Kleingarten- und Sportanlagen befinden) städtisch überbaut werden, wodurch Bergmann-Südstern- und Graefekiez wichtige kieznahe Erholungs-, Freizeit und Sportanlagen verlieren werden. Selbst wenn auf dem Tempelhofer Feld hierfür Ersatz bereit gestellt werden würde (was in den Planungen nicht erkennbar ist) rückten diese Anlagen hinter den erbauten zweifachen Quartiersriegel und wäre somit nicht mehr fußläufig aus dem Kiez (etwa für dort wohnende Kinder und Jugendliche) erreichbar. Wir sind äußerst verärgert, da noch zum Zeitpunkt des Volksentscheides für die Offenhaltung des Flughafens die nunmehr vorgelegte Planung uns durchaus überdurchschnittlich informierten Zeitungslesern nicht bekannt war. Es ist ärgerlich, dass Sie an der Öffentlichkeit vorbei, einen städtebaulich-landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb ausgelobt haben, in welchem die Errichtung der bislang nicht in den Planungen vorkommenden neuen Wohnquartiere beidseitig des Columbiadamms vorgegeben waren. Sie haben durch diese stillschweigenden Vorgaben den Ideenwettbewerb vorzeitig gelenkt und die Chance genommen, dass Konzepte vorgestellt wurden, welche den Stadtplanern die Möglichkeiten, vielleicht sogar den Auftrag gegeben hätten die Anbindung des Tempelhofer Feldes in die Stadt anders zu gestalten, etwa unter Bewahrung der bestehenden ökologischen und soziokulturellen Nischen in dem beschriebenen Bereich. Wir fragen uns schon, welchen Zweck es hat, die ohnehin stark verdichteten Wohngebiete um das Tempelhofer Feld entgegen der oben zitierten Absichten noch weiter zu verdichten. Mit Sicherheit wird die sicherlich vorhandene Nachfrage nach bezahlbarem innerstädtischem Wohnraum ohnehin nicht gestillt werden, da der frei finanzierte Wohnungsbau dort ein anderes Marktsegment bedienen wird. Stattdessen wäre es sinnvoll, soziokulturelle (von gemeinwesenorientierten Vereinen betriebenen) und ökologische Erholungsräume auf dem Tempelhofer Feld auszubauen und die bestehenden Sport und Kleingarten-Anlagen etwa an der Lilienthalstraße oder auch an der Oderstraße zu erhalten. Deren Verdrängung gefährdet nicht nur ökologische Biotope, sondern auch gemeinwesenorientierte Nachbarschaften, die eigentlich der soziale Humus jeder Stadt sind. Kleingartenanlagen und Sportvereine stiften Gemeinschaft, Lebenssinn, vermitteln soziale Regeln. Man soll nicht glauben, dass man da einfach ohne soziale Folgen mit dem Bagger drüber gehen kann. Die in den umliegenden Kiezen lebenden Menschen suchen nicht nur öffentliche Parkanlagen mit Cafes (an letzterem fehlt es der Stadt nicht), sondern Orte wo sie selbst gemeinsam mit anderen auf eine unspektakuläre und alltagsnahe Weise wirken und gestalten können (was ja auch nicht im öffentlichen Parkgrün geht) Wo junge und alte Menschen nachbarschaftlich zusammenfinden und voneinander lernen können! Wenn solche Bedürfnisse in den ausgelobten Wettbewerbsbeiträgen überhaupt planerisch berücksichtigt wurden, dann nur als provisorische Übergängsnutzungen hin zu einer zunehmenden Verbauung, als kurzfristiges kulturelles Event oder Hype. Nur in einem Wettbewerbsbeitrag fanden wir die Idee von interkultuerellen Gärten, leider nur provisorisch und über-gangsweise geplant. Ganz offensichtlich geht die in allen Medien berichtete Renaissance der innerstädtischen Kleingärten an den Stadtplanern vorbei. Es besteht ein enormer Bedarf, der sich darin ausdrückt, dass horrende (im Grunde illegale) Abstandssummen geboten werden, um an einen innerstädtischen Garten zu gelangen! Wenn die Stadtplaner Familien mit Kindern in der Innenstadt halten wollen, sollten sie viel mehr solcher wohnort-naherGartenanlagen erhalten und gar weiter ausbauen. Leider sind die Hirne der Stadtplaner von kurzfristigen Verkaufserlösen oder eitlen Bauklötzern wie vernagelt. Immer mehr werden solche innerstädtischen grünen und soziokulturellen Oasen geschlossen und überbaut. Man wird als innerstädtische Familie geradezu ins Auto gedrängt um ins Grüne zu gelangen oder gar ganz ins Grüne abzuwandern, weil die verbauten Flächen keine preiswerten und menschengerechten Gestaltungsräume mehr offenhalten. Wenn Sie hingegen wollen, dass Einwohner von Wohnquartieren zu Bürgern werden, die ein Gemeinwesen mit sozial verträglichem Leben erfüllen sollen, müssen Sie in Ihren Planungen auch hierfür Platz vorsehen. Das Tempelhofer Feld liegt in einem multikulturell bewohnten Umfeld. Warum haben Sie sich in Ihren Planungen umso manche Vogelart viele Gedanken gemacht (bitte nicht falsch verstehen, ist auch wichtig!), aber nicht um das soziokulturelle Leben in einer multikulturell zusammengesetzten Bürgerschaft? Warum weisen Sie keine Zonen mit multikulturellen Gärten aus? Die gerne offener ausgerichtet sein dürfen als die bestehenden ausschließlich deutschen Kleingartenvereinen mit ihren Wochenendhütten. In denen Deutsche und Migranten einander begegnen, aushelfen und voneinander lernen können? Statt einer weiteren baulichen Verdichtung im genannten Areal schlagen wir diese Überlegung vor.


Familie Koch-Staufenbiel (mit 3 schulpflichtigen Kindern)

Stellungnahme als PDF: Stellungnahme Familie Koch-Staufenbiel